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Kinder bei den Zeugen Jehovas

Ich möchte an dieser Stelle aufzeigen, welche Auswirkungen eine Mitgliedschaft der Eltern bei den Zeugen Jehovas auf deren Kinder hat. Viele Menschen, die ersten Kontakt zu den Zeugen haben, lassen sich zunächst von der freundlichen, offenen Atmosphäre in deren Reihen blenden und sind sich nicht bewußt, welche tiefgreifenden Auswirkungen es für ihre Kinder haben kann, wenn sie sich auf Zeugen Jehovas einlassen.

 

Die "Rute der Zucht"

 

Man hört häufig die Beschuldigung, Zeugen Jehovas würden ihre Kinder schlagen, dies kann jedoch nicht pauschal behauptet werden. Die Wachtturm-Gesellschaft hat in den vergangenen Jahren vermehrt Literatur veröffentlicht, die Eltern von dieser Art der Bestrafung abhalten möchte. Da sie um die rechtliche Anerkennung in vielen Ländern gerichtlich streitet, hat sich dieser Schritt auch nicht vermeiden lassen. Früher galt tatsächlich das Bibelwort "wenn du deinen Sohn züchtigst - er wird nicht sterben", was dazu führte, daß Kinder von Zeugen Jehovas körperlich gezüchtigt wurden. Heute weißt die Wachtturm-Gesellschaft darauf hin, daß mit der "Rute der Zucht" in erster Linie Erziehungsmaßnahmen ohne körperliche Gewalt gemeint sind und es wird dazu geraten, das Gespräch mit seinen Kindern zu suchen um diese "zurechtzubringen" und gegebenenfalls geeignete Erziehungsmaßnahmen zu ergreifen. Dennoch darf man nicht übersehen, daß Eltern die ihre Kinder nach den Richtlinien der Wachtturm-Gesellschaft erziehen möchten, was - wie ich noch aufzeigen werde - zu großen Spannungen führen kann, eher dazu geneigt sind, aus dem Affekt auch körperlich zu züchtigen.

 

Frühes Stillsitzen

 

Zeugen Jehovas nehmen ihre Kinder vom Säuglingsalter an mit in den Königreichssaal. Diesen muß man sich als großen Hörsaal vorstellen, in dem ein Redner von der Bühne spricht. Die Zusammenkünfte, die zweimal wöchentlich stattfinden, dauern jeweils etwa zwei Stunden. In dieser Zeit wird von allen Anwesenden - auch von den Kindern - erwartet stillzusitzen und aufmerksam das Programm zu verfolgen. Eltern, deren Kinder nicht stillsitzen können, sind angehalten, den Saal zu verlassen. Dies geschieht häufig - ich spreche aus eigener Erfahrung - unter den genervten Blicken der anderen Zuhörer.

 

Man kann und darf von einem kleinen Kind nicht erwarten, zwei Stunden stillzusitzen. Jehovas Zeugen tun dies und den Kindern bleibt keine Wahl: Stillsitzen oder Ärger mit den Eltern, bzw. anderen Versammlungsmitgliedern. Da das dargebotene Programm als "geistige Speise" gilt, die zum Erlangen ewigen Lebens notwendig ist, möchte natürlich keiner der Erwachsenen etwas des Programmes verpassen und die Kinder werden entsprechend ruhig gehalten.

 

In der Literatur der Wachtturm-Gesellschaft werden Eltern angewiesen, dieses Stillsitzen mit den Kindern von Anfang an zu üben. Es sollen regelmäßige "Studienzeiten" abgehalten werden, in denen Wachtturm-Literatur betrachtet wird. Dies kann bei kleinen Kindern noch spielerisch sein, mit zunehmenden Alter wird jedoch erwartet, daß das Kind sich aktiv am Studium beteiligt. Es ist nicht erlaubt, den Kindern in die Zusammenkünfte Bilderbücher oder Spielzeug zur Unterhaltung mitzugeben, sondern sie sollen sich mit "geistigen Dingen" beschäftigen, was bedeutet, endweder still zuzuhören, sich durch vorbereitete Kommentare am Versammlungsgeschehen zu beteiligen oder zumindest biblische Bilderbücher anzusehen. Diese Regeln gelten auch für die ganztägigen Kongresse, auf denen die Zeugen Jehovas ca 6-8 Tage im im Jahr verbringen. Man sieht dann tatsächlich reihenweise Kinder, die den ganzen Tag brav stillsitzen und die Zeugen schenken sich viel Selbstlob für ihre "wohlerzogenen Kinder".

 

Ich habe sehr häufig beobachtet - und auch am eigenen Leib verspürt - daß diese Ansicht der Wachtturm-Gesellschaft über kindliches Verhalten in den Zusammenkünften zu erheblichen Spannungen zwischen Kindern und Eltern geführt hat. Nach den Zusammenkünften haben die Kinder meist einen unbandigen Bewegungsdrang, doch die Eltern sind auch in dieser Zeit angehalten, nicht sofort nach draußen zu gehen, sondern noch Gespräche mit ihren "Brüdern und Schwestern" zu führen. Es wird erwartet, daß die Kinder auch in dieser Zeit unter Aufsicht der Eltern bleiben und nicht etwa durch den Königreichssaal rennen. Die Praxis zeigt jedoch, daß dies nur schlecht funktioniert und so kommt es immer wieder durch ausgelassenes Toben der Kinder zu Unfällen, ich habe auch schon mehrfach miterlebt, daß Kinder den Königreichssaal unbemerkt verlassen hatten und am Parkplatz oder an der Straße Fangen spielten, was zu gefährlichen Situationen geführt hatte.

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