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Weitere religiöse Orientierung

Dieser Artikel richtet sich an Aussteiger und Menschen, die Aussteiger begleiten, er berichtet auch von meinen persönlichen Erfahrungen nach meinem Sektenausstieg.

Seit meinem Ausstieg im November 2008 habe ich viele ehemalige Zeugen Jehovas übers Internet kennengelernt.

 

Drei Gruppen:

 

Was die religiöse Einstellung betrifft, gibt es eine große Anzahl von Menschen, die der Religion ganz den Rücken gekehrt haben. Sie haben sich zum Teil ganz von der Vorstellung getrennt, dass es einen Gott gibt. Andere sagen etwa "Gott ja - aber keine Religionsgemeinschaft". Ich denke diese Einstellung muss man tolerieren und sollte den Ex-Zeugen nicht in irgendeine religiöse Richtung drängen. Jeder benötigt seine Zeit um die - oft traumatischen - Erfahrungen seiner Zeugenzeit zu verarbeiten.

 

Dann trifft man leider häufig auch Menschen an, die sich in der bedauerlichen Lage befinden immer noch an die Wachtturm-Lehren zu glauben. Sie halten es für ihr eigenes Verschulden und eine schwere Sünde, nicht mehr als Zeugen Jehovas tätig zu sein und werden oft von Minderwertigkeits - und Schuldgefühlen gequält. Ich hoffe, dass ich dieser Personengruppe durch den theologischen Teil meiner Seite ein wenig helfen kann, sich von den Wachtturm-Lehren zu distanzieren. Um sich erfolgreich von der Sekte abzugrenzen, muss man deren Fehlbehauptungen hinterfragen lernen. Die Wachtturm-Gesellschaft behauptet mit einer solchen Selbstverständlichkeit im Besitz der allein wahren religiösen Erkenntnis zu sein, dass es ein großer Schritt für Ehemalige ist, dieses Selbstverständnis infrage zu stellen.

 

Dann gibt es einen etwas kleineren Prozentsatz der Ausgestiegenen, die sich einer anderen religiösen Gruppe angeschlossen haben. Oft, wie in meinem Fall der Kirche, der sie vor ihrer Zeugenzeit angehörten. Für all diejenigen, die sich in der neuen Gemeinschaft wohlfühlen können, ist dies sicher die beste Wahl.

 

Doch ist gerade bei der religiösen Neuorientierung große Achtsamkeit geboten. Diese Erfahrung musste ich selbst machen.

 

Es gibt auch in den großen Kirchen übereifrige Mitglieder. Diese sind zwar einerseits eifrig darin, neue Kirchenmitglieder zu werben und das kann einem Zeugen Jehovas durchaus helfen, den eigenen Glauben zu überdenken. Allerdings kann ein wiederum sehr strenger Glaube auf einen gerade erst einer Sekte entkommenden Menschen einen ziemlich destruktiven Einfluss ausüben. Es besteht die Gefahr, von einer Abhängigkeit (Zeugen Jehovas) in eine andere (fundamentalistischer Glaube) zu geraten.

 

Gerade als frisch ausgestiegener Zeuge Jehovas neigt man vielleicht mehr als andere dazu, auch die neu oder wiedererworbene Religion ohne die nötige Gelassenheit auszuleben. Mir wurde von einem sehr strengen Katholiken geholfen, die Zeugen zu verlassen, doch drängte dieser mich mehr und mehr, seine strengen Ansichten und Lebensweisen zu übernehmen. Eine zeitlang versuchte ich auch, so zu leben doch musste ich bald feststellen, dass ich dadurch mein "Gefängnis" nicht wirklich verlassen hatte. Es bedeutete einen weiteren schweren Kampf, religiöse Belange gelassener zu sehen und erst mal wieder leben zu lernen.

 

Mein Rat daher an alle Ausgestiegenen oder deren Angehörige:

 

Suchen Sie sich eine Glaubensrichtung die Ihnen GUTTUT, wenn Sie das Bedrüfnis dazu verspüren. Aber wenn Ihnen das nicht guttut, dann lassen Sie es ruhen. Hören Sie unbedingt auch ihr "Bauchgefühl" und lassen Sie sich keine Entscheidung aufdrängen!

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