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An Ärzte und Psychotherapeuten

Es ist gut möglich, dass Ärzte und Psychotherapeuten mit den Problemen der Zeugen Jehovas bzw. denen Ehemaliger konfrontiert werden. Wie Studien ergeben haben, sind gerade Menschen im Umfeld der Wachtturm-Lehre psychisch überdurchschnittlich häufig schweren Belastungen ausgesetzt. (Studie zum Problem der seelischen Gesundheit bei Zeugen Jehovas)

 

Gerade bei ehemaligen Zeugen Jehovas gibt es eine stark erhöhte Suizidgefahr bzw. auch eine hohe "Rückfallsquote" denn dem Ehemaligen werden sämtliche Kontakte zu ehemaligen Glaubensbrüdern unterbunden, er wird nicht einmal mehr begrüßt (das ist besonders hart, da er sich ja in seiner aktiven Zeit keine Kontakte außerhalb der Versammlung aufbauen durfte) und man hält ihm seinen drohenden Tod in Harmagedon vor Augen, wenn er nicht zurückkehrt und "bereut".


Die erhöhte Labilität von aktiven Zeugen Jehovas verwundert ebenfalls nicht, da die Lehrmeinung der Zeugen Jehovas enormes Belastungspotential hat:


1. Der einzelne Zeuge Jehovas befindet sich in einem "geistigen Krieg gegen Satan und seine böse Welt", in der er sich ständig behaupten und Jehova und den Lehren der Wachtturm-Gesellschaft die Treue halten muss. Seine Mitmenschen soll er als potentielle zukünftige Diener Gottes betrachten und ihnen nach allen Möglichkeiten predigen. Gleichzeitig muss er Distanz zu diesen "Weltmenschen" halten - die als "Ungläubige" betrachtet werden anstatt als Andersgläubige - um nicht von deren "weltlicher Gesinnung" im Glauben beeinträchtigt zu werden. Der Zeuge Jehovas sieht sich permanent unter schwerer Versuchung durch die Menschen in der "Welt Satans". Er sieht stets den drohenden Tod in Harmagedon vor sich, wenn er den geistigen Anforderungen nicht entspricht.


2. Auch innerhalb der Gemeinschaft müssen die einzelnen Zeugen - wie auch deren Kinder - hohen Erwartungen entsprechen. Die Wachtturm-Gesellschaft hält sich selbst für den "treuen und verständigen Sklaven, der geistige Speise zur rechten Zeit" an die Versammlungsglieder austeilt. Dieser Belehrung darf nicht widersprochen werden. Wer etwas nicht verstehen kann ist dazu angehalten "abzuwarten, bis die Gesellschaft helleres Licht" zum Thema bereitstellt. Wer seine Zweifel anderen gegenüber verrät gilt als "einer der Spaltungen verursacht" und kann im schlimmsten Fall mit "Gemeinschaftsentzug" (völliger Isolation) bestraft werden. Diese Angst vor dem Gemeinschaftsentzug hält die Zeugen bei der Stange und läßt sie die strenge Bevormundung durch die Wachtturm-Gesellschaft, ausgeübt durch deren Schriften und die Ältesten, ertragen.

Wer hingegen "Fortschritte in der Wahrheit" macht, wird besonders anerkannt und kommt für "besondere Vorrechte" in der Versammlung (bei Männern z.B. das Ältestenamt) infrage. Nach dem Motto "Zuckerbrot und Peitsche" wird hier gearbeitet.


3. Der Druck "kein Teil der Welt zu sein" wiegt schwer. Es gibt kaum einen Lebensbereich der vom Glauben der Zeugen Jehovas unberührt bleibt. Dazu gehört das Teilnehmen am politischen Geschehen, an Feiertagen, der freundschaftliche Umgang mit Arbeitskollegen und Mitschülern bis hin zu Alltagshandlungen: So darf ein Zeuge Jehovas beim Niesen nicht "Gesundheit" wünschen oder vor dem Trinken auf etwas anstoßen. Gute Wünsche wie "frohe Weihnachten" dürfen nicht erwidert werden, der Zeuge soll dann beispielsweise sagen "auch Ihnen eine gute Zeit". Der Kontakt zur "Welt" soll sich auf das Nötigste und das Predigen beschränken.


Wie stehen die Zeugen Jehovas zu psychotherapeutischer Hilfe?


In der Vergangenheit warnte die Wachtturm-Gesellschaft dringend davor, zum Psychotherapeuten oder Psychiater zu gehen. Heute ist diese Ansicht gelockert, doch hat der Patient auf jeden Fall darauf zu achten, bei der Therapie nicht mit "weltlichem Gedankengut infiziert" zu werden - das bedeutet, nicht in seinen Glaubensansichten verunsichert zu werden. Der Rat des Therapeuten muss mit der Bibel und der Wachtturm-Literatur verglichen werden und darf entsprechend angenommen oder verworfen werden. Das erschwert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.


Der Zeuge Jehovas darf auf keinen Fall "schlechtes Licht auf die Wahrheit werfen". Das heißt, er wird dem Therapeuten seine inneren Konflikte im Umgang mit diesem Glauben nicht anvertrauen. Denn sonst würde das ja einen schlechten Eindruck über den Glauben vermitteln und den Therapeuten davon abhalten, selbst ein Zeuge Jehovas zu werden. Dies könnte sowohl dem Patienten wie auch dem Therapeuten den Weg zur Rettung versperren.


Auch ehemalige Zeugen Jehovas stehen häufig noch stark unter dem Einfluss der Wachtturm-Lehren und denken oft, aufgrund ihres eigenen schlechten Charakters kein Zeuge Jehovas mehr zu sein. Das kann im schlimmsten Fall starke Depressionen hervorrufen. Der Patient sieht aber diesen Zusammenhang meist nicht und so ist es für den behandelnden Therapeuten wichtig, gut informiert zu sein um besser helfen zu können.

 

Ich stelle dem interessierten Leser gerne entsprechende Wachtturm-Artikel zur Verfügung, die diesen Druck deutlich machen.

 

 

Meine eigene Erfahrung bezüglich der psychischen Beeinträchtigung durch diesen Glauben:

 

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